#Abmahngate und die Auswirkungen auf Instagram

Ende Juni war die Panik groß: die Bloggerin Vreni Frost wurde vom Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) abgemahnt, weil sie ihre Fotos auf Instagram, bei denen sie Marken verlinkt hatte, nicht als Werbung gekennzeichnet hat. Die Influencerin zog mit dieser Entscheidung vor das Landgericht Berlin, das dem VSW mit dieser Abmahnung Recht gab. Jegliche Verlinkung, also ein sogenanntes „taggen“ von Marken, sei bei Verdi Frost ein kommerzieller Zweck einer geschäftlichen Handlung“, da bei ihrer Followerzahl nicht mehr von einem privaten Account ausgegangen wird.

Fazit: Wer Marken auf Instagram vertaggt, betreibt Werbung.

Aber so einfach ist das irgendwie auch nicht. Logisch, das Urteil soll Schleichwerbung eindämmen und klar machen, welcher Beitrag gesponsort wurde und ob Unternehmen dafür bezahlt haben auf diesem Bild zu erscheinen oder eben nicht.
Doch diese Abmahnung nimmt absurde Ausmaße an und man könnte fast meinen, dass die Juristen sich noch nie selbst im Internet bewegt haben.

Vreni Frost vom Blog neverever.me

Im Fall Vreni Frost war es so, dass sie Marken/Hersteller von ihren Klamotten verlinkt hatte, damit ihre Follower wissen, woher das Produkt stammt. Die Produkte waren jedoch von ihr selbst gekauft, ohne Sponsoring, PR-Sample, etc. Gemeinsam mit ihrem Anwalt hat die Bloggerin dem Verband erklärt, dass es sich bei diesem Taggen von Brands um eine redaktionelle Serviceleistung handelt. Das Landgericht Berlin hat jedoch dem VSW Recht gegeben und verhängt eine einstweilige Verfügung: Vreni Frost darf keine Marken mehr ohne entsprechende Werbekennzeichnung auf Instagram markieren.

Das ist jedoch kompletter Schwachsinn. Schließt man von diesem Urteil auf alle Bereiche, die „irgendwas mit Medien“ zu tun haben, wäre jegliche journalistische Arbeit, bei der der Name eines Unternehmens genannt wird Schleichwerbung. Jegliche Markennennung von Designern auf dem roten Teppich in der Gala beispielsweise. Oder ein Unternehmensname in der Tagesschau.

Es reicht also nicht, dass durch DSGVO & Co. für Blogger eh schon alles verwirrender ist als je zuvor – nun kommt auch noch diese Verunsicherung dazu. Der Verband Sozialer Wettbewerb hat zwar mit der Reichweite und Followerzahl von Vreni Frost argumentiert, jedoch haben nachfolgende Abmahnungen gezeigt, dass es fast egal ist, wie viele Follower jemand hat. Man ist also nicht automatisch auf der sicheren Seite ist, wenn man unter einer gewissen Followerzahl liegt.
Weitere Fälle zeigen, wie absurd dieses ganze Urteil ist. Die Influencerin Vanessa Blumenthal wurde abgemahnt, weil sie ihren Freund verlinkt hatte. Der VSW vermutete eine nicht gekennzeichnete Bezahlung und Blumenthal musste vor Gericht nachweisen, dass die beiden wirklich eine Beziehung führen. Auch das Tragen von T-Shirts mit Logos und eine Ortsmarkierung von Geschäften wurden schon abgemahnt.

Ist denn Werbung noch Werbung?

Prinzipiell kann man es ja eigentlich nur begrüßen, wenn Werbung auch als solche gekennzeichnet wird. Gerade im Sinn von Transparenz und Glaubwürdigkeit. Doch wie transparent ist die Branche überhaupt noch, wenn jeder mittlerweile jeden Post als Werbung kennzeichnet, weil man Angst hat abgemahnt zu werden? Mit einer wirklichen Transparenz hat dieses Verhalten nichts mehr zu tun. Und wenn man durch Instagram scrollt verliert man auch etwas die Lust, wenn jeder Post mit Werbung beginnt, obwohl nur ein Freund verlinkt wird.

Mittlerweile beschäftigen sich auch Landesmedienanstalten mit der Debatte. Diese wenden allerdings das Medienrecht an und nicht das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Es bleibt also abzuwarten, welche Entscheidungen von höheren Instanzen hier noch folgen werden und wie sich Instagram und die Influencer-Welt diesbezüglich wieder verändert.

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